Mainz, 22. Oktober 2026. Wohin soll man sich bei gesundheitlichen Beschwerden wenden - und ist eine ärztliche Behandlung überhaupt notwendig? Nicht immer ist klar, welche medizinische Anlaufstelle die richtige ist. Das kann dazu führen, dass Patientinnen und Patienten in einer Praxis landen, ohne zu wissen, ob sie dort auch richtig aufgehoben sind. Eine strukturierte medizinische Ersteinschätzung kann helfen, den individuellen Behandlungsbedarf zu klären und Patientinnen und Patienten gezielt in die passende Versorgung zu leiten.

Dass die Menschen in Rheinland-Pfalz einem solchen Ersteinschätzungsverfahren offen gegenüberstehen, zeigt eine repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Demnach können sich 66 Prozent der Menschen in Rheinland-Pfalz vorstellen, ihre Beschwerden zunächst anhand einer Art Fragebogens systematisch einschätzen zu lassen. Die Ersteinschätzung müsste online, telefonisch oder direkt in einer Arztpraxis möglich sein. Auf dieser Grundlage könnte anschließend die Empfehlung für eine geeignete Behandlung getroffen werden. 

Patientensteuerung: Orientierung statt Odyssee

"Entscheidend ist, dass Patientinnen und Patienten künftig nicht mehr alleine herausfinden müssen, welche medizinische Anlaufstelle für ihre Beschwerden die richtige ist. Eine strukturierte Ersteinschätzung sollte den Weg zur passenden Versorgung aufzeigen und mit der Möglichkeit einer direkten Terminvermittlung verknüpft sein. Gerade in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz können digitale Lösungen den Zugang zur medizinischen Versorgung erleichtern und dazu beitragen, die Kapazitäten von Arztpraxen bedarfsgerecht zu nutzen", sagt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz.

Digitale Angebote finden breite Akzeptanz

Auch weitere Ergebnisse der Befragung zeigen eine hohe Akzeptanz digitaler Angebote in der ambulanten Versorgung: 87 Prozent der Befragten würden Arzttermine online buchen oder haben dies bereits getan.
78 Prozent haben relevante Gesundheitsinformationen vor einem Arztbesuch bereits digital übermittelt oder können sich dies vorstellen. Für die Nutzung von Videosprechstunden gilt dies für 70 Prozent der Umfrageteilnehmer im Land.

Patientensteuerung auch in Rheinland-Pfalz auf der politischen Agenda

Auch die rheinland-pfälzische Landesregierung hat sich für die Zukunft eine bessere Patientensteuerung vorgenommen. Laut dem Koalitionsvertrag des Landes soll unter anderem die Patienten-Service-Rufnummer 116 117 der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz zu einem zentralen Instrument der Patientensteuerung ausgebaut werden. Ergänzend sollen Angebote, wie die digitale Ersteinschätzung und eine Online-Terminvermittlung den Zugang zur medizinischen Versorgung erleichtern.

Auf Bundesebene werden mit dem geplanten Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) derzeit die Rahmenbedingungen für ein Primärversorgungssystem beraten, also wie eine medizinische Bedarfseinschätzung, Terminvermittlung und elektronische Überweisungen einen digitalen Einstieg in die Versorgung ermöglichen können. Ein Gesetz für ein Primärversorgungssystem will die Regierung noch in diesem Jahr vorlegen.

Hinweis für die Redaktion

Für die repräsentative telefonische Umfrage im Auftrag der TK interviewte das Meinungsforschungsinstitut Forsa vom 28. Oktober 2025 bis zum 20. November 2025 insgesamt 1.001 Personen ab 18 Jahren in Rheinland-Pfalz.